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Schöneberger Linse (3/5) Realisiert die LINSE Gruppe hier bald das größte Hausprojekt des Mietshäuser Syndikats in Berlin ?

von David Dicke
Themen Öffentlicher Raum Ökologisches Bauen Wohnprojekte Nachbarschaft
21 Juli 2017

Im dritten Teil unserer Schöneberger Linse Reihe wollen wir den Konkurrenten der urban coop um Grundstück G08 vorstellen. Wir haben Steffen Schenk vom Linse Hausprojekt auf den Experiment Days getroffen und uns erklären lassen, mit welchen außergewöhnlichen, kreativen Ideen und idealistischen Unterstützern sie den Zuschlag im Konzeptverfahrens bekommen wollen.

Nach der Einführung und der Vorstellung der urban-coop, berichten wir nun über das LINSE Hausprojekt des INES e.V.. Es hat seinen Stand in den straßenseitigen Räumlichkeiten der Freidrich-Ebert-Stiftung, welche die diesjährigen Experimentdays beheimatet hat; also etwas separiert vom direkten Konkurrenten urban coop. Auf den ersten Blick sieht man, dass hier eine andere Strategie der Projektpräsentation verfolgt wird: große, farbige und detailreiche Entwurfspläne bewerben das LINSE Hausprojekt. Auch hier stehen mehrere Mitglieder der Gruppe parat um ihr Projekt Interessenten zu erläutern. Wir entführen Steffen Schenk zu einer Kaffee und Zigarettenpause, in der er uns das Projekt und den Prozess anschaulich erklärt.

Angefangen habe alles mit mehreren, kleineren Hausprojekt-Initiativen, die jeweils über Jahre versucht hatten ein Haus zu ergattern, erzählt er. Erst Frank Hajdu hat die Gruppen zusammengeführt. Er hat kurz nach Bekanntwerden des Konzeptverfahrens der Schöneberger Linse die einmalige Gelegenheit erkannt und über einen Mailverteiler des Mietshäuser-Syndikats ein Infotreffen organisiert. Zu diesem kam dann eine so große Anzahl von Interessenten, dass schnell beschlossen wurde, die Gelegenheit zu nutzen und sich zusammen auf das Grundstück zu bewerben. „Im Laufe der eineinhalb Jahre, die das jetzt her ist, ist aus dem Initiativenverbund eine neue Gruppe gewachsen: die Linse!“ fasst Steffen Schenk zusammen. Die offizielle Rechtsform dieser Gruppe sei ein Verein, die Organisationsform sind zweiwöchige Plenen und Arbeitsgruppen. Im Falle eines Zuschlags für das Grundstück der Schöneberger Linse würde der Verein dann noch eine GmbH gründen, entsprechend dem Mietshäuser Syndikats-Modell.

Das Mietshäuser Syndikat

Das Mietshäuser Syndikat bezeichnet sich selbst als Projekteverbund und bringt eine seit ca. 25 Jahren über 120fach bewährte rechtliche Organisationsstruktur mit, die Hausprojekte in ganz Deutschland unterstützen und verbinden soll und bei der erst ein Projekt scheiterte. Lest in unserer Projektbeschreibung nach, wie genau das Mietshäuser Syndikat funktioniert.

Zurzeit ist das LINSE-Hausprojekt noch auf der Suche nach potentiellen Direktkreditgebern und zukünftigen Mitgliedern der Hausgemeinschaft oder auch Mitstreitern, die ihre Arbeitskraft bei den Themen Öffentlichkeitsarbeit oder Finanzierung in die Gruppe einbringen wollen, ohne später im Haus zu wohnen. Direktkreditgeber, die das Eigenkapital des LINSE-Hausprojekts aufbringen, seien bisher zu einem kleinen Teil Mitglieder der Hausprojektgruppe, deren Bekannte oder Verwandte, aber auch Unbeteiligte, die ihr Geld für einen sozialen Zweck arbeiten lassen wollen: „Zum Beispiel dafür ein Haus vom Markt zu nehmen, was viele ziemlich cool finden!“ erläutert Steffen Schenk. Der Zinssatz, die Laufzeit, das Kreditvolumen und die Kündigungsfrist werden zwischen Kreditgeber und Haus-GmbH vertraglich vereinbart.

Späti-plus und Penthouse-Keller

Die architektonische Planung ist schon recht ausgereift und macht das Projekt visuell greifbar, soll durch ihre Flexibilität jedoch auch auf später hinzustoßende Bewohnerwünsche reagieren können. Verschiedensten Wohnformen liegen verschiedenste Wohnungen zugrunde: Von der 10er WG bis Einzelwohnen, mit oder ohne Kinder. Gezeichnet wurde zunächst, was möglich ist und welche Vielfalt erreicht werden kann. Bei dem Thema Gemeinschaftsflächen verweist Steffen Schenk auf das Dach: „Da ist unser Penthouse-Keller! Wo andere ihr Penthouse haben, haben wir den Keller.“ Einerseits spare man so die hohen Baukosten für Kellerflächen und umbauten Wohnraum auf dem Dach, zum andern verhindere man eine soziale Staffelung, die durch eine teure Penthouse-Wohnung entstehen kann. Stattdessen soll die beliebte Dachfläche gemeinschaftlich durch Terrassen und individuell eingerichtete Datschen genutzt werden. Im Erdgeschoss ist vorgesehen einen Späti-plus einzurichten. „Wir nennen das Späti-plus, weil es eben nicht nur ein Späti ist, sondern auch ein Café und ein Tauschladen!“, so Steffen Schenk. Dieser soll nicht nur die Hausgemeinschaft, sondern auch die Nachbarschaft bereichern.

Auch zum Thema nachhaltiges Bauen wurde sich einiges überlegt: Das Haus wird aus Beton und Holzfertigelementen, die ein natürlicher CO2 -Speicher sind, gebaut. Die energiesparende Bauweise nach KFW-Standard wird durch eine Solarthermie-Anlage auf dem Dach und Wasserspeicher ergänzt. „Außerdem haben wir eine ziemlich gute soziale Nachhaltigkeit!“ ergänzt Steffen Schenk. Während in anderen Mietwohnungen die Mieten steigen, würden bei ihnen die Mieten langfristig eher sinken, wenn das Haus abbezahlt sei.


Um all die guten Ideen Wirklichkeit werden zu lassen, muss das LINSE-Hausprojekt zunächst das Konzeptverfahren gewinnen und somit den direkten Konkurrenten, die urban coop, über die wir im letzten Teil berichtet haben, übertreffen. „Das Problem ist ja nicht die Konkurrenz, unser Konzept ist total konkurrenzfähig und wir scheuen auch keinen Wettbewerb. Ich sag mal, ich bin mir schon recht sicher, dass unser Konzept einfach das beste ist, vom sozialen Aspekt und auch von der Kiezentwicklung her!“, sagt Steffen Schenk überzeugt. Doch auch falls sie nicht den Zuschlag bekämen, würde die Gruppe weiterbestehen und man sei auch optimistisch, dass die Politik in Zukunft mehr Konzeptverfahren anstelle von Höchstbieterverfahren durchführen wird, weil auch sie sehe, dass Projekte, wie das der LINSE für Generationen Wohnraum in Gemeinschaftseigentum zur Verfügung stellt, und so für die Stadt und die Stadtentwicklung einen grundlegend sozialen Beitrag leiste.

Auch das LINSE-Hausprojekt wurde inzwischen vom Berliner Immobilien Management zu Verhandlungen eingeladen und kann heute am 21.07. im direkten Austausch versuchen den Zuschlag für Grundstück G08 der Schönerberger Linse zu erhalten. Während wir diesen Prozess gespannt verfolgen, wenden wir uns im nächsten Teil unserer Reihe den Baugruppen-Grundstücken G06 und G07 zu und stellen die Bewerber um die Gruppe GoodSense – SchöneLinse vor, die wir, wie die anderen, bei den Experiment Days 2017 getroffen haben.

Die Schöneberger Linse Reihe:
Die Schöneberger Linse Reihe:
Teil 1/5: Einführung
Teil 2/5: urban coop Genossenschaft
Teil 3/5: Linse Hausprojekt
Teil 4/5: GoodSense SchöneLinse Baugruppe
Teil 5/5: RUT Frauenwohnprojekt

Titelbild
Autor: David Dicke

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