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Schöneberger Linse (5/5) Der Wohnprojekt-Palast, in dem RuT Ruth lieben und pflegen darf

von David Dicke
Themen Ökologisches Bauen Gesundheit Lebensstil LGBQT Wohnen Wohnprojekte Nachbarschaft
3 August 2017

Das Grand Finale unserer Reihe widmen wir einer Gruppe, die lange Diskriminierung und Benachteiligung erfahren musste. Nun hofft der Verein Rad und Tat mit seinem Projekt RuT-FrauenKultur&Wohnen beim Konzeptverfahren der Schöneberger Linse endlich einen gebührenden Platz für ein selbstbestimmtes und erfülltes Leben ihrer besondere Zielgruppe zu finden.

Nachdem wir in der Einführung über das Konzeptverfahren der Schöneberger Linse berichtet haben und die zwei genossenschaftlichen Projekte urban coop und LINSE Hausprojekt,sowie die Baugruppe GoodSense SchöneLinse vorgestellt haben, wollen wir heute einen Verein vorstellen, der sich als soziale Träger auf das größte Grundstück G09 bewirbt. RuT war dieses Jahr schon zum siebten Mal bei den Experimentdays. Leider bedeutet dies nicht, dass schon zahlreiche Projekte realisiert wurden, sondern dass die Verwirklichung des 2007 gestarteten Projekts RuT-FrauenKultur&Wohnen nicht so schnell möglich war, wie sich alle Beteiligten gewünscht hätten.

Die Ursprünge der besonderen Idee

Nach herben Rückschlägen, wie dem Last-Minute-Rückzieher eines Grundstücksverkäufers im Jahre 2014 und Hoffnungsschimmern, wie der Unterstützungszusage des regierenden Bürgermeisters Michael Müller im letzten Jahr, kommt das Konzeptverfahren der Schöneberger Linse nun wie gerufen und könnte endlich die Realisierungsphase einläuten. Dazu müsste das Konzept des Vereins beim Vergabeverfahren überzeugen.

RuT steht für Rad und Tat – Offene Initiative Lesbischer Frauen e.V. und wurde bereits im Jahr des Mauerfalls in Neukölln gegründet. Zunächst als kleine Selbsthilfegruppe von und für ältere und behinderte lesbische Frauen ins Leben gerufen, hat sich der Verein zu einem sozialen und kulturellen Zentrum entwickelt. Heute wollen Sie das Angebot für ihre Zielgruppe ausweiten, individuell beraten, bei der individuellen Identitätsfindung helfen, dabei die Vielfalt fördern und sichtbar machen und ihr Anliegen auch in die politischen Öffentlichkeit tragen und gesellschaftliche Hintergründe von Diskriminierung aufzeigen.

Ein Palast für Benachteiligte

Da sich diese Themen auch wunderbar in einem eigenen Haus verwirklichen lassen, wurde das Projekt RuT-FrauenKultur&Wohnen initiiert. Konkret wollen sie in einem Gebäude 80 bezahlbare, barrierefreie Wohnungen mit Balkon unterbringen. Da hier vor allem ältere Frauen ein Zuhause finden sollen, wird die Möglichkeit einer ambulanten Pflege und Mobilität auch im Rollstuhl mitgeplant. Wenn die Pflegebedürftigkeit in einigen Fällen ein selbstständiges Leben nicht mehr erlaubt, kann ein Einzug in eine der beiden Pflege-Wohngemeinschaften (8 und 11 Plätze) weiter Teilhabe im Wohnprojekt ermöglichen. Angst vor Diskriminierung, wie sie in mancher Senioreneinrichtung herrscht, müssen die Frauen hier dank eines Pflegekonzepts, das die lesbischen Biographien berücksichtigt, nicht haben. Zwei Wohnungen sollen zudem als besonderer Schutzraum für lesbische Frauen aus Kriegsgebieten dienen.

Neben den Wohn- und Pflegemöglichkeiten soll auch ein soziales und kulturelles Angebot im Haus dem übergeordnete Ziel dienen, benachteiligte Frauen zu unterstützen und durch gegenseitigen Austausch zu fördern. Empowerment durch ein professionelles Beratungsangebot im Frauen-Café, aber auch Austausch, Begegnungen und Vernetzung sollen hier ermöglicht werden. Dabei sollen die kulturellen Angebote auch die Nachbarschaft ansprechen, die nicht unbedingt der besonderen Zielgruppe des Hausprojekts entspricht. Ein Kiez-Café, Veranstaltungen und Angebote der Gesundheitsprävention zeigen den offenen, der Schöneberger Linse zugewandten Charakter des Projekts.

Einkommensungleichheit und die Folgen

Die Einkommensungleichheit zwischen Männern und Frauen ist allen bewusst und seit Jahren ein politisches Thema. Weniger präsent ist die Erkenntnis des ersten Gleichstellungsberichts der Bundesregierung von 2011, wonach die durchschnittliche Rente von Frauen weniger als halb so groß ist, wie die von Männern. Dieser traurigen Realität wollen die Damen von RuT Rechnung tragen, in dem sie sich um besonders erschwingliche Wohnungen bemühen, und dies trotz der kostspieligen energetischen Anforderungen eines Passivhauses.

Um diese Quadratur des Kreises zu verwirklichen, ist RuT auf Unterstützung durch Spenden, Fördermittel, Darlehen von Stiftungen und Privatpersonen und natürlich Bankkredite angewiesen.
Auf unserem Titelbild ist die Übergabe eines Schecks der Ordensschwestern der Perpetuellen Indulgenz (Eine Gruppe queerer AktivistInnen) über 1000 Euro zu sehen. Doch es konnten auch schon größere Beträge eingesammelt werden. Jutta Brambach, die Geschäftsführerin von RuT teilt uns kurz vor Veröffentlichung dieses Artikels mit, dass der Verein sich zur Zeit auf eine weitere Förderung durch die Lotto Stiftung im Umfang von 3,5 Millionen Euro bewirbt.

Immerhin konnte Jutta Brambach uns auch mitteilen, dass RuT mittlerweile Verhandlungen um Grundstück G09 der Schöneberger Linse mit dem landeseigenen Berliner Immobilienmanagement führt. Doch sie befürchten, dass am Ende doch der gebotene Kaufpreis über den Zuschlag entscheidet und freuen sich somit weiterhin über Spenden! Im Oktober soll dann endlich eine Entscheidung getroffen werden. Wir sind gespannt und hoffen dann Positives berichten zu können!

Die Schöneberger Linse Reihe:
Teil 1/5: Einführung
Teil 2/5: urban coop Genossenschaft
Teil 3/5: Linse Hausprojekt
Teil 4/5: GoodSense SchöneLinse Baugruppe
Teil 5/5: RUT Frauenwohnprojekt

Titelbild
Autor: RuT e.V.

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